Die Kur – gut oder schlecht?

Veröffentlicht 1. August 2010 von witchym

4 Wochen Kur liegen nun also hinter mir. Ich habe mich super erholt, meine Zuckerwerte waren auch super, das Gewicht … naja. Da hat sich nicht viel getan. Im ärztlichen Abschlussbericht wird von 5 kg gesprochen, MEINE mathematischen Kenntnisse berechnen nur 2,1 kg … Ob ich viel Muskelmasse aufgebaut habe, kann ich nicht sagen, weil entsprechende Messungen nicht vorgenommen wurden. Schade.

Ich hatte ein schönes Zimmer, geräumig, hell und freundlich, mit Balkon und atemberaubendem Ausblick.

Auch wenn ich wenig Zeit auf dem Balkon verbringen konnte (vormittags Schatten, aber Termine; nachmittags pralle Sonne, die leider nicht auszuhalten war). Ich liebte es, die wenigen nächtlichen Gewitter zu beobachten, während ich im Trockenen war. Was für ein Naturschauspiel!

Die medizinische Betreuung war sehr gut, da kann ich nichts meckern. Die Mädels im Labor waren immer für einen Scherz zu haben. Es ist doch erstaunlich, was man während der 20-30 Sekunden des Blutabnehmens (am Ohr) so alles quatschen kann. hihihi
Alle Angestellten – von der Putzfrau über Empfangspersonal, Küche und Therapieplanung – waren sehr, sehr freundlich und hilfsbereit. Sie haben den Aufenthalt angenehm gemacht. Die „einfachen“ Stationsschwestern waren doch recht häufig gestresst, so dass es nur zu gestresster Freundlichkeit gereicht hat (aber immerhin freundlich!!!). Hier hat man den Personalmangel sehr deutlich gemerkt. Aber SO oft brauchte ich ihre Hilfe zum Glück nicht. Dafür war der Therapiebereich um so hemmunglos netter. Mit ihnen hatte ich ja die meiste Zeit zu verbringen.

Nur das Essen war … tja … Das Frühstück war für mich in Ordnung. Kein Wunder, ich war mit KnäckeBrot (Burger Urtyp – mein Lieblings-Knäcke), Marmelade und Joghurt zufrieden. Dass die 1. Schüssel Obstsalat immer nur aus Äpfeln bestand und erst der Nachschub weitere Obstsorten offenbarte … nun … das kriegt man schnell mit und lernt zu warten *grins
Das Mittagessen ist nur billige kostengünstige Massenversorgung. Verkochtes Gemüse, Fleisch nur in gegarter Form. Frische konnte man hier nicht erwarten. Dennoch hat das ein oder andere Essen doch recht gut geschmeckt. Die Vorsuppen waren immer köstlich und mussten ab und zu als Hauptnahrung herhalten. Hin und wieder gab es einen extra frisch bereiteten Salat, darüber fielen die Massen natürlich sofort her. Das war dann auch mal die einzige Gelegenheit, an einen Blattsalat heranzukommen. Das Kompott … nun ja … Einfallsreich war das nicht gerade. Schulküchenhaft ala DDR-Zeiten.
Das Abendessen war dann der nächste Krampf für mich. Die Wurstplatten… Eine Platte mit wenig Fett, eine mit mäßig Fett und eine fettreiche. Fast alles auf den ersten beiden Platten war Kochwurst. Die mag ich nicht so gerne … Schinken gab es natürlich nicht jeden Tag. WENN dann gleich in 2 Sorten – Kochschinken und fettdurchzogenen Schinkenspeck … Eine Sorte Schinken jeden Tag hätte mir schon gereicht … Hin und wieder (1 x in der Woche? hab ich nicht genau beobachtet) gab es Fisch (das hat man sofort gerochen, wenn man in den Speisesaal kam): Tomatenfisch, Brathering oder sauren Fisch.
Die Salate zum Abendessen überraschen am Anfang: Große Auswahl! Bei näherem Hinsehen wirds schon schwieriger … Wenn du nichts Blähendes essen willst oder darfst, bleibt nur der Gurkensalat oder der Tomatensalat. Rettich-, Rotkrautsalat & co sind für viele tabu. Der Tomatensalat hat nicht geschmeckt und JEDEN Tag Gurkensalat … naja. Eine Platte mit grob geschnittenem Gemüse stand auch noch bereit. Leider war die Standzeit schon länger, denn Rettich und Kohlrabi z.B. waren schon trocken und bitter. Ich hätte mir die ganze Zeit eine Salattheke gewünscht, mit nur geschnippelten Zutaten und separater Soße. Alles war schon angerichtet, schmeckte ähnlich im Dressing und vor allem … der säuerliche Geruch lag schon in der Luft, wenn du in den Saal kamst …
Ernährungstechnisch also habe ich nichts für die „Nachwelt“ lernen können. Leider war auch die heiß ersehnte Lehrküche nichts. ENDLICH was FRISCHES!!!! … habe ich gedacht … gehofft … und ja, HERBEIGESEHNT. Naja. Frisch gekocht haben wir natürlich: Eine leckere Vorsuppe aus Gemüse. ok. Hühnerragout. Toll, schon wieder gekochtes Fleisch! Erst wurde es vorgekocht, dann mit Gemüse angebraten und von dem Fleischsud gefühlte 10 Liter Soße gemacht, die man mit irgendwas Gesundem schleimig angedickt hat. LECKER! *würg. Ich wäre am liebsten über die Pfanne hergefallen, als Gemüse und Fleisch gebraten wurden… Vollkornreis dazu, das war der Hauptgang. Als keine-Ahnung-was-für-einen-Gang gab es grünen Salat mit Joghurt-Dressing. Das konnte ich auch schon. Als Nachtisch … haltet euch fest … gab es Dosenmandarinen !!!!! mit einem grob geriebenen Apfel dran. WOW! Da kann ich als Diabetiker (wir waren ALLE Diabetiker!) ja richtig was lernen!!! Die Dosenmandarinen waren nicht mal zuckerreduziert oder so. Stink normales Dosenobst.
Die Diätberaterin hat so gar nicht den Eindruck vermittelt, dass sie gerne kocht bzw. gut kochen kann. Leider, leider. Hat sich aber beschwert, dass sie quasi jeden Tag das selbe Essen muss. HALLO??? Vielleicht kriegt man aus diesen Zutaten auch was Anderes hin?
Es gab noch eine Kollegin. Wer bei ihr kochen durfte, hat viel besser gekocht. Da gab es interessantere Dinge: Fisch auf Gemüsebett, Hühnchen-Gemüse-Spies. Es gab interessante Salate und auch selbst gemachte Desserts. Fazit hier: Mehr als eine Abwechslung im Kur-Alltag war diese Erfahrung nicht.
Mit dem Zukauf von Obst und Gemüse war die Esserei aber doch irgendwie zu überstehen. Die überteuerte Cafeteria hat mit mir nicht viel Umsatz gemacht (außer Postkarten und Briefmarken). Gut, dass ich kein Kaffee-Junky bin. Kaffee-Trinker hatten es nämlich in der Kurklinik echt schwer. Der hat dort nämlich nie geschmeckt, war aber in der Cafeterria ziemlich teuer (Kaffeeautomaten gabs nicht). Nur der täglich frisch gebackene Kuchen war … schon geruchstechnisch seeehr verführerisch und noch vieeeeel leckerer. 1 x in der Woche bin ich schwach geworden…

Abgesehen von einem total langweiligen Kulturangebot in der Klinik bzw. im ganzen Kurort gibt es nichts Negatives weiter zu berichten. Ich habe viele nette Leute kennen gelernt (auch weniger nette natürlich *grins, aber man braucht auch was zum Lästern, oder???? hihihi). Die Sport-Mädels waren immer super drauf, immer motivierend und lieb. Drill gab es nicht … ob as gut oder schlecht ist, da hat wohl jeder Patient so seine eigene Meinung gehabt. hihihi Ich hätte mir manchmal ein bisschen mehr Drill ruhig gewünscht. jajaja … so bin ich halt … im Fitness-Studio wird man schließlich bei lauter Musik ordentlich angebrüllt hihihi DAS hat mir schon irgendwie gefehlt. Der Sport ist halt nur Reha-Sport, da musste ich am Anfang Geduld lernen. Ich war diesbezüglich zu Beginn ein bisschen übermotiviert. hihihi ABER es war trotzdem genug, um aus der Puste zu kommen und immer mal wieder ordentlich Muskelkater zu kriegen. hihihi. Ja, Sport war meine Hauptbetätigung dort und es hat SEHR viel Spaß gemacht. Ich hab gelernt, mit Schwimmflossen zu schwimmen. Voll cool! Macht bestimmt einen knackigen Hintern. Was hatten wir mit den Flossen für einen Spaß! Die netten Plaudereien mit dem Schwimmmeister nach dem Schwimmen vermisse ich inzwischen auch schon sehr.
Schade, dass die Terminplanung nicht so gut war und ich in den 4 Wochen Aufenthalt nur 2 x Nordic Walking mitmachen konnte … 1 x am Anfang und 1 x am letzten Tag.
Ich habe dieses Jahr mit meinem vor Jahren mal gebrochenen Fußgelenk ziemliche Probleme. Die Ultraschall-Behandlung hat während der Kur aber nichts gebracht. Dann bekam ich den Hinweis, es gibt auch eine Kältetherapie. Die habe ich dann noch 2 x bekommen können und ich muss sagen, ich war begeistert: Das erste Mal seit Monaten, dass ich hinterher 12 Stunden völlig schmerzfrei war. Tolles Gefühl!!! Leider fiel das 3. Mal aus, weil die Ärzte nicht so pünktlich zu arbeiten beginnen, wie sie Termine vergeben. Termin verpasst, Pech gehabt. Schade.

In den Klinikbewertungen liest man viel von schmutzigen Zimmern … Ja, das Reinigungspersonal hat nur wenige Minuten pro Zimmer Zeit. Und SO viel Schmutz hab ich versucht, nicht zu machen. Ich habe das Zimmer sauber übernommen. Die Endreinigung wurde sehr gründlich vorgenommen, das habe ich in der Nachbarschaft beobachtet.
Dass ich 5 Haare und 1 Fingernagel auf dem Badezimmer-Fußboden beobachtet habe, wie sie von Tag zu Tag wandern … war für mich eher ein Spaß. Da rege ich mich nicht auf. Auch dass mein Bett nach 2 Wochen erst neu bezogen wurde, als ich höflich nachfragte, war kein Problem (am vorletzten Tag waren sie übrigens weg). SO penibel bin ich  nicht, dass ich mich darüber aufregen müsste. Es wurde jeden Tag Staub gewischt, da hätte in meinen Augen vielleicht auch jeder 2. Tag gereicht … Das Reinigungspersonal war lieb und nett, erfüllte – sofern genug Material vorhanden – gern den Wunsch nach extra Hand- oder Badetuch.

Insgesamt hatte ich dort wirklich eine gute Zeit!!! Die Auszeit hat super gut getan. Ich habe gemerkt, wie schlecht ich vorher drauf war. Wir hatten so viel Spaß! Waren eine super Truppe!!! Ich war sehr froh, mein Auto dabei zu haben. Wurde mir der Nachmittag zu lang oder das Wochenende, ging es ins Auto und ab ins Umland. So hatte ich den einen oder anderen schönen Ausflug (vielleicht erzähle ich später noch von dem einen oder anderen Ausflug). Manchmal haben mit Anita und Susanne begleitet, meine Kur-Freundschaften, die ich nicht mehr missen mag. Ja, ich hatte wirklich eine wunderschöne Zeit und habe es genossen, Bücher zu lesen, zu stricken oder einfach mal nur die Zeit im Bett zu vertrödeln, die Umgebung zu erkunden, täglich schwimmen zu gehen und immer um nette Leute herum zu sein.

Die Erkenntnis am Schluss:
In dieser Klinik in Bad Berka ist man fachlich bei Diabetes sehr gut aufgehoben. Die Mitarbeiter sind alle nett. Der Therapiebereich ist super! Das Drum und Dran hat Verbesserungspotential. Zur Kur fahre ich gern wieder, aber vielleicht dann doch lieber wo anders hin…

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