Ganz kurzfristig erfuhr ich, dass am Wochenende das 1. Vogländer Klöppeltreffen in Schöneck stattfindet, organisiert vom Schönecker Klöppelparadies. Und mein Lieblingsschwesterchen hatte selbst Besuch und konnte nicht mal eben spontan durch die halbe Republik reisen und dabei sein. Klaro, dass ich kleines, liebes, oberbraves Schwesterchen dem Ruf folge und mir die Veranstaltung anschaue und ordentlich davon schwärme. hihihi

Ein sonniger, heißer Sonntag. Früher Nachmittag. Es ist lautstärke-mäßig recht still auf dem Kirchenplatz in Schöneck. Trotzdem ist ein ständiges Begängnis um das benachbarte Bürgerhaus, während wir parken und uns ein bisschen umsehen. Ich fahre zwar recht oft durch Schöneck, aber nur auf Durchreise. Umgesehen habe ich mich dort noch gar nicht. Nun kenne ich den Kirchplatz, den Aussichtspunkt gleich gegenüber und natürlich das Bürgerhaus. Erster Eindruck des Klöppeltreffens schon auf der Straße: Gut besuchte Veranstaltung!
Der Saal ist nicht riesig, die Größe der Veranstaltung nicht mit den Annaberger Klöppeltagen vergleichbar. ABER!!!!!
Eintritt nur 1 Euro und dafür gab es noch für Jeden ein geklöppeltes Herz. NA HALLO! Das stimmt schon mal äußerst positiv. Ich hab in den Karton mit den Herzen gesehen: Da haben viele Frauen fleißig für die Anhänger geklöppelt. Und ich hab mir vorgestellt, zu wie vielen MEINE Geduld gereicht hätte … naja … da hätten nicht viele Gäste kommen dürfen…

Es waren wenige Händler da, aber sehr ausgewählte. Sie waren gut besucht, aber trotzdem gab es kein Gedrängel wie ich es sonst von Großveranstaltungen kenne und als ziemliche Belastung finde. Ich konnte in Ruhe die Ordner mit den Klöppelbriefen wälzen und ein Wort mit den Händlern wechseln. Eine Händlerin kam mir bekannt vor: „Haben SIE in Annaberg dieses tolle Bikini-Set ausgestellt?“, war daher meine Frage. „Ja!“ Und schon wusste ICH, woran ich war und schnell waren wir in einem angeregten Gespräch zu diesem tollen Teil vertieft. Sie hatte es leider in Schöneck nicht dabei, da es auf einer anderen Ausstellung gezeigt wird. Schade! Hier daher ein Erinnerungsfoto von Annaberg 2007:

Größter Stand war die Rittersgrüner Klöppelboutique. Hier mal nur ein Ausschnitt:

Es gab viele Schauklöpplerinnen (nur ein Teil):


und – man höre und staune – auch ein Klöppler:

Er war ständig von Gäst-innen umringt. Was sicher auch an seiner Klöppelarbeit lag. Er hat nämlich eine Kette nur aus Flechtern geklöppelt, in Gold und kämpfte scheinbar mit dem schnell reißenden Garn, der Ärmste. Schauklöpplerinnen schmücken sich ja oft mit Klöppelspitzen an ihrer Garderobe. Er stand dem in nichts nach. Schaut mal die Tasche auf seinem Hemd an:

Zwar finde ich eine Spinne incl. Netz als Motiv nicht soooo prikelnd (ich sag nur Phobie), aber es sah schon schick aus. Stand ihm richtig gut. Und ich habe das Insektenspray NICHT herausgeholt, um die Spinne zu töten! hihihi
Die Frau gleich nebenan trug eine schicke Bluse mit geklöppeltem Kragen. Tolle Farben! Super Klöppelspitze! Mit ihr kam ich schnell ins Gespräch, weil sie meine Klöppeltasche mit Klöppel schick fand und ein Foto wollte. Ich hab ganz brav still gehalten! *grins Es war bemerkenswert, dass sie die besondere Technik erkannt hat, mit der Walter die Klöppel gedrechselt hat. Die Frau war vom Fach!

Auf einer langen Tafel waren verschiedene Exponate ausgestellt, die von den Besuchern bewertet werden konnten. Hab ich natürlich auch getan. Hier mal nur ein paar Beispiele:

Ist das Schmetterlingsbild nicht SÜSS???:

Fazit: Kleine, aber feine Ausstellung. Ich wünsche mir auf JEDEN FALL eine Wiederholung. Mehr Händler müssen gar nicht sein, ich fand die Auswahl und das Spektrum der Angebote völlig ausreichend. Ich fand die gemütliche, intime Athmosphäre insgesamt sehr einladend. Hauptanliegen der Veranstaltung (so interpretiere ich es zumindest) war der Erfahrungsaustausch. Damit war das Treffen auf jeden Fall erfolgreich. Überall wurde gefachsimpelt. Die Klöpplerinnen sollen bitte weiterhin so fleißig und offen zu den Gästen sein. Aber vielleicht gibt es dann ein paar mehr Ausstellungsstücke. An den Wänden, Fenstern, Gardinen war noch viel Platz und vielleicht wäre es für die offensichtlich sehr engagierten Schönecker Klöpplerinnen ja eine prima Gelegenheit, mit ihrem Fleiß zu protzen! Mädels, holt eure Arbeiten aus den Schränken und mopst euch euere verschenkten Werke der letzten Jahre zurück und zeigt sie uns Besuchern!!!!
Und wenn ich selber nicht in solchen wichtigen Situationen unangemessen schüchtern und still wäre, hätte ich im Nachhinein nicht 1000 Fragen PLUS der 5000 Fragen von Christine, die ich nicht beantworten kann! *GRUMMEL!!!
Am Rande habe ich ein paar Gespräche mitgehört. Eine Frau war zum Beispiel ganz erstaunt, dass man TATSÄCHLICH auch in Farbe klöppeln kann und das heutzutage vielleicht sogar vorzugsweise tut. Ihre Lehrerin hat ihr beigebracht, ordentlich wird nur in weiß oder natur geklöppelt! Sie war ganz … hm… sagen wir geschockt … welche Möglichkeiten ihr dadurch bisher entgangen sind. Für diejenigen, die regelmäßig zu Klöppelmessen gehen, ist so eine Meinung kaum zu glauben. Aber es zeigt, es kann nie genug Öffentlichkeitsarbeit geben!
Der Besuch jedenfalls hat mich sehr aufgemuntert. Kaum das Haus verlassen, hab ich Walter gleich gegenüber auf den Aussichtspunkt gescheucht. Obwohl er nicht wollte, er weiß doch, dass ich total höhenängstlich bin und auch gleich mal ‘ne Panikattacke kriege. Nun … ich WAR DA oben!!! GANZ OBEN!

Keine Panickattacke. Schöne Aussicht. Schöne Bilder geknipst:


Hinterher stolzgeschwelte Brust. Es war ein schöner Sonntag!!! Danke, Schöneck!
Nachtrag: … Hm … ich zeig mal wieder eine Menge fremder Menschen auf den Fotos, die natürlich nicht vorher um Erlaubnis gefragt wurden. Sollte jemand nicht mögen, dass er/sie hier öffentlich zur Schau gestellt wird, dann bitte eine Nachricht an mich und ich lösch das Foto selbstverständlich sofort!