Der 9. Tag des traditionellen Handwerks war am Sonntag bei uns im Erzgebirge. Er ist also schon traditionell, wenn ich auch dieses Jahr zum ersten Mal „auf der Pirsch“ war. Die Freie Presse hatte letzte Woche eine recht informative Beilage herausgegeben und im Internet gabs auch Informationen. Und es war Walter-Wochenende. Schönes Wetter noch dazu. Also ab ins Auto und auf Entdeckungstour.
Aber wie im wahren Leben liegt Freud und Leid – Enttäuschung und Überraschung dicht beieinander. Station 1 war Schneeberg. Bei einem Schnitzer haben wir zwar was Kleines gekauft, aber Schauschnitzen gab es nicht. Er war offensichtlich zu sehr beschäftigt, uns im Auge zu behalten. Ich hätte ja beim Bezahlen gern gesagt: Nun wollen wir Sie aber auch Schauschnitzen sehen! Aber Walter ist ZU zurückhaltend, also sind wir gegangen.
Station 2 das Schneeberger Museum, das mir ja an sich sehr gut gefällt wegen der vielen Klöppelarbeiten und Schnitzereien. Gemäß der Werbung zum Handwerkstag war dort echt viel zu erwarten, was ich auch getan habe. Und wer viel erwartet, wird schnell enttäuscht…
Das Museum ist voller Klöppelspitze … ich erwartete Schauklöppler passend dazu … Fehlanzeige. Mit Schnitzen genau das selbe. Eine Frau hat sich mit einem Tischchen zwischen zwei Vitrinen verkrochen und Occhi gemacht. Wow. Interesant. Ich hab dann durch einen Spalt von hinten zugesehen, dann durch einen etwas größeren von vorn. Schließlich ein Gespräch begonnen. Nette Frau! „Warum verstecken Sie sich denn? Man sieht ja gar nicht, was Sie da Schönes tun!“ Antwort: „ja, ich hab nicht mehr Platz“
Hm … wenn man den Tisch 50 Zentimeter von der Wand wegstellt und man sich in diese 50 cm quetscht, hat man keinen Platz weiter. Klar. Der Raum war aber so groß, da hätte der Tisch auch etwas mehr in der Mitte stehen können. Ich fand es schade um ihre Handarbeit.
Eine Frau saß am Spinnrad. Das war schön. Eine andere Frau hat aus Holzspänen Blumen gebastelt, war auch gut. Bei einer Kräuterhexe (sie nennt sich so) konnte man Käutersträuße binden. Und ein Stänkerer hat alte Werkzeuge aus verschiedenen Gewerken erklärt. Fleischer, Bäcker, Käser … so in dieser Richtung. Buttern auch. Aber es wurde nur erklärt. Er tat das wortreich und fesselnd, dass muss ich sagen. Irgendwie hab ich aber mehr erwartet…
Station 3 war die „Goldene Sonne“ in Schneeberg. Der Eingang nackt und kühl, erst unterm Dach wurden wir fündig. Dort haben sich Töpfer- und Schnitzergruppe getroffen. Sie hatten schon untereinander Spaß und wir haben ihnen ein bisschen bei der Arbeit zugesehen. Das war insgesamt ok.
Dann gab es lecker Eis und anschließend sind wir einem Plakat gefolgt. Der Neustädler Schnitzverein feiert 100jähriges Bestehen und tags zuvor hat eine Sonderausstellung geöffnet und wurde unsere Station 4. Und ich muss sagen, ich war hin und weg.

Die Fundgrube Anna und Schindler ist ein Bergbauliches Denkmal, erst in den letzten Jahren nach alten Vorlagen neu erbaut. Gut gepflegte Außenanlagen. Grandioser Ausblick auf ganz Schneeberg und Umgebung!

Da war die Ankunft schon totale Überraschung und Genuss. Und hier die Begrüßung:

Die Ausstellung selbst war einfach super. Wunderschöne Schnitzereien aller Art.




Ein kleiner Teil war auch der 88jährigen Schnitzschule gewidmet. Wow, was Teenager alles hervorbringen können!


Und zwischendruch immer wieder auch Klöppelarbeiten.




Die ganze Ausstellung ist sehr liebevoll arrangiert. Wer in der Nähe ist, sollte da unbedingt vorbeischauen!
Station 5 wurde die Schnitzausstellung der Firma Schmidt in Bermsgrün (OT von Schwarzenberg).

Schon im Außenbereich gab es viel zu entdecken:

Hier nur einer der Fensterläden (jeder einzelne hat andere Motive):


Und dann ging es ins Innere. Und sag es gleich: Diese Ausstellung hat mir den Atem verschlagen! Ein kleines Häuschen bis unters Dach voller Schnitzereien und einiger Klöppelarbeiten. Großes Thema ist dort Minischnitzerei. Irre, wie klein die Arbeiten sind. Manches war nur mit Lupe zu erkennen! Die Themen der Schnitzereien sind super umfangreich … Der Fürstenzug von Dresden en miniature (zu bestaunen mit Lupe) – auf dem Foto ganz unten:

Berufsbilder:

, kirchliche Szenen, weltliche Szenen,

Die Arbeit auf dem Feld/im Wald durchs ganze Jahr

Jagdszenen, häusliche Szenen, Schnitzen und Klöppeln ist immer wieder dargestellt, Weihnachtliches, die Historie des Erzgebirges in Szenen, die Geschichte des Ortes Bermsgrün.


Sogar ein Lebenslauf in geschnitzter Form ist zu sehen. So ein Einfallsreichtum! usw. usw. Auch schön fand ich die kleinen Lichterhäuser, arrangiert zu kleinen Dörfchen.

Selbst die Treppenaufgänge werden genutzt für kleine Schaufenster mit geschnitzten Szenen. Klar, dass es geschnitzte Geländer gibt. Es gibt viele Szenen, wo z.B. Schnitzen dargestellt ist, aber keines gleicht dem anderen. Die Umsetzung ist jedesmal neu und anders. Echt nur WOW. Ich frage mich, wie oft man diese Ausstellung besuchen muss, um wenigstens halbwegs alles erfasst zu haben. Auch diese Ausstellung ist echt SUPER sehenswert.
Inzwischen war es spät nachmittags und wir hatten Hunger. Rast gemacht haben wir im Schützenhaus in Sosa. Unser Imbiss war gut und empfehlenswert.
Auf dem Heimweg haben wir an der Talsperre Eibenstock angehalten, um nur ein paar Schritte zu laufen. Im Wald. Und was kam mir schon nach wenigen Schritten vor die Füße? Pilze natürlich. Ich hatte keine Tasche dabei. Manno! Also in die Jackentaschen gepackt, was reinpasst, Spaziergang abgebrochen und ab nach Hause.
Am Ende des Tages waren wir beide, Walter und ich, sehr zufrieden und hatten einen richtig schönen, gelungenen Tag, bei dem die positiven Eindrücke ganz klar überwogen. Ach, musste das WE schon vorüber sein? Ich hätte gern noch einen Tag mehr gehabt, das Wochenende war doch so schön…
Aber am nächsten Tag war halt wieder Montag. Ich war brav auf Arbeit. Habe sogar an einem Geheimnis weitergestrickt und habe es nachmittags noch beendet.
Vielleicht … wenn wir es bis dahin nicht vergessen … werden wir nächstes Jahr das Wochenende des Handwerktages im Osterzgebirge verbringen, mit Übernachtung. Die interessantesten Angebote für Schnitzer/Drechsler mit Sachen zum Ausprobieren gab es nämlich eher in der Region. Aber so weit wollten wir dann doch nicht fahren. Dann also besser geplant und vorbereitet nächstes Jahr, damit Walter so richtig auf seine Kosten kommt.