Tja. Der letzte Tag des Junis war ein Urlaubstag für mich. Mit meinem Bruder Uwe zusammen ging es vormittags nach Johanngeorgenstadt gefahren. Dort haben wir uns mit einem hiesigen Botaniker getroffen, der uns mitnahm auf eine dreistündige Tour durch das unter Naturschutz stehende Hochmoor „Kleiner Kranichsee“. Es war HERRLICH!

Auch wenn ich eigentlich nur zum Fotografieren dabei war, so hat mich die Tour genau so gefesselt wie meinen Bruder. Er hatte im Frühjahr mal ganz nebenbei erwähnt, dass so eine Begehung mit einem Fachmann super interessant sein müsste. Ich hab daraufhin viel Umhertelefoniert, bis ich jemanden gefunden habe, der so was macht. Es wurde ein Geburtstagsgeschenk für meinen Bruder. Ein prima Geschenk, von dem man selber auch was hat. hihihi

Holzweg im Hochmoor Kleiner Kranichsee
So sind wir zum Beispiel nicht nur diesen Holzsteig entlang gegangen, der für jeden Besucher zugängig ist. Nein! Da Herr Krüger für die Pflege des Hochmoors da ist, sind wir richtig quer durchs Gelände. einmal bin ich bis zum Knie versunken, aber ich kam wieder raus. Inclusive Stiefel (Gott sei dank!), hihihi. Aber hier ein paar Highlights von der Tour:
Das nächste Foto sieht aus, wie ein Foto aus dem Geschichtsbuch. Aber es ist am Montag entstanden. Der Samen von Fichten wird vom Wind herangetragen, aber die Fichten können nicht lange im Moorgrund leben und sterben in einer bestimmten Größe einfach ab. Sie stehen dann tot und kahl herum und geben dem Moor diesen typischen optischen Charakter.

Fichten im Hochmoor

Wir haben den rundblättrigen Sonnentau in Hülle und Fülle gesehen. Es war unmöglich, NICHT darauf zu treten. Er war quasi überall.

rundblättriger Sonnentau

rundblättriger Sonnentau
Auch den langblättrigen haben wir entdeckt, der schon seltener ist.

langblättriger Sonnentau
Die Moosbeeren blühten in Hülle und Fülle. Ich liebte diese zarten rosa Blüten! Sie sehen aus, wie Micro-Alpenveilchen. Beeren haben wir nur eine gesehen, dafür war es noch zu früh.

Moosbeeren in der Blüte
Die Rauschbeere (im Foto mattgrün) war auch recht zahlreich vertreten. Hier sieht man am Laub gut den Unterschied zur Heidelbeere (im Foto leuchtend grün und kleiner).

Rauschbeere
Auch hier ist es noch viel zu früh, um reife Früchte zu ernten. Aber vereinzelt haben wir unreife Früchte gesehen:

Rauschbeere mit Früchten
Wunderschön fand ich den Anblick des Wollgrases. Ich wusste nicht, dass es verschiedenes gibt. Mit einem „Büschel“ ist es ein deutliches Anzeichen für Moorgrund. Mit mehreren Büscheln ist es nur eine feuchte Wiese. Egal, ich mochte Wollgras schon als Kind. Leider ist es bei uns zu Hause inzwischen ausgestorben.

Wiese mit Wollgras

Wollgras
Es gibt einen schönen Aussichtspunkt, der gleichzeitig das Ende des offiziell begehbaren Wegs bedeutet. Weiter geht der Holzweg nicht ins Moor.

Aussichtsturm Kleiner Kranichsee
Durch dieses Geäst da unten sind wir anschließend gekraxelt.

Überblick über das Hochmoor Kleiner Kranichsee

Klettertour
Manchmal hab ich mich echt gefragt, ob wir da wieder herausfinden. Die Kiefern mögen nicht hoch sein, aber wenn man da mittendrin steckt, ist rundherum nichts anderes mehr. Da sieht jede Richtung gleich aus. Nach zwei-, dreimal Drehen, hat auch meine Landkarte im Kopf versagt. Aber wir hatten ja ortskundige Führung.

Klettertour 2
Der Kleine Kranichsee ist das einzige Moor im Erzgebirge, wo der Moorkern auf deutscher Seite liegt. Der hochmoderne Zaun (hihihhi) im Hintergrund zeigt die Grenze zum Nachbarland:

Hier ist eine Moorbirke. Trotz Markierung an einem benachbarten Baum haben wir sie nur mit Mühe finden können. Es sind nur 3 „Halme“, sie sind im Gras kaum zu entdecken. Aber das Suchen hat Spaß gemacht. Ich habe Uwe die Freude gegönnt, die Birke zu entdecken. Herr Krieger, unser Führer, war auf der falschen Fährte.

Moorbirke
Eine Thymian-Pflanze gibts im Moor auch. Den genauen Namen hab ich vergessen. Nur dass sie giftig ist, weiß ich noch:

Moor-Thymian
Hier wohl die wichtigste Pflanze im Moor:

Moos
Dieses Moos ist schießlich dafür verantwortlich, dass es ein Moor gibt. Moore liegen übrigens über dem Grundwasserspiegel. Die Moose sterben ab und werden zu Torf. Ein Moor wächst pro Jahr 1 mm. Da könnt ihr mal rechnen, wie lange es dauert, bis ein Moor 6 m Höhe hat. Beeindruckend. Durch den Klimawandel sterben die Moore wohl auch wahrscheinlich aus. Die Sommer sind zu trocken, der heiße Wind trocknet zusätzlich aus. Der Gedanke hat mich schon beklommen gemacht. Wir konnten das an vielen Stellen im Moor gut sehen. Sonst wäre es auch kaum möglich gewesen, eine so große Tour quer durch zu machen.
Interessant fand ich, dass dieses Moos bis zum 15-fachen Wasser aufnehmen kann. Und es ist steril. Früher wurde es getrocknet zum Abdecken von Wunden verwendet (stimmt, kommt oft in historischen Romanen vor, fiel mir ein). Dass das Wasser wirklich sauber war, hab ich nach meinem Einbruch gemerkt. Meine Hose hatte nach dem Trocknen keinen Schmutzrand.
Es war eine wunderschöne Tour! Ein großer Dank an Heinz Krieger aus Schwarzenberg, der uns die Flora im Moor so spannend und zum Anfassen nahe gebracht hat!